AnmeldenLinksTermineSitemapImpressum

Nacht der Lichter

Nacht der Lichter 2012

Rainer Maria Rilke: Abend

Der Abend wechselt langsam die Gewänder,
die ihm ein Rand von alten Bäumen hält;
du schaust: und vor dir scheiden sich die Länder,
ein himmelfahrendes und eins, das fällt;
und lassen dich, zu keinem ganz gehörend,
nicht ganz so dunkel wie das Haus, das schweigt,
nicht ganz so sicher Ewiges beschwörend
wie das, was Stern wird jede Nacht und steigt –
und lassen dir (unsäglich zu entwirren)
dein Leben bang und riesenhaft und reifend,
so daß es, bald begrenzt und bald begreifend,
abwechselnd Stein in dir wird und Gestirn.

Tritt ein!
Dieses Haus schweigt nicht.
Obwohl es hier dunkel ist, im Westen.
Hier gibt es Fledermäuse. Hörst Du?
Im Zwielicht des Abends.
Das Land, das fällt.
Hier darf sie fallen:
Dein Unruhe. Deine Angst.
Dein Uneinssein mit Dir selbst.
Geh hindurch.
Und lass zurück, was Dich bedrückt!
Finde Licht! Leben! Geborgenheit! Kraft!

Sterne ...
Ich liebe es, im August unter dem Sternenhimmel zu liegen, die Milchstraße zu sehen, auf
Sternschnuppen zu warten.
woran denkst Du? Was würdest Du Dir heute wünschen?

mit Marc ... der mittelste Stern vom Orion – das war unserer. Ich hab so oft hinaufgeschaut, und wenn ich ihn angesehen habe, war es fast, als würde er da sein.

Neulich, da hatte ich Anna auf dem Arm und wir standen am Fenster und sahen uns den Sternenhimmel an. Und sie zeigte auf den hellsten und sagte: Das ist Opa, stimmts?

In den Psalmen, den alten Liedern Israels, heißt es: Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, der du zeigst deine Hoheit am Himmel! Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet um deiner Feinde willen, daß du vertilgst den Feind und den Rachgierigen. Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Ps 8,4-5


Schöpfungsgeschichte aus dem Buch Genesis

Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
Die Erde aber war Tohu Wabohu.
Finsternis über Urwirbels Antlitz.
Braus Gottes schwingend über dem Antlitz der Wasser.
Gott sprach: Licht werde! Licht ward.
Gott sah das Licht: daß es gut ist.
Gott schied zwischen dem Licht und der Finsternis.
Gott rief dem Licht: Tag! und der Finsternis rief er: Nacht!
Abend ward und Morgen ward: Ein Tag.

Gott sprach:
Gewölb werde inmitten der Wasser
und sei Scheide von Wasser und Wasser!
Gott machte das Gewölb
und schied zwischen dem Wasser,
das unterhalb des Gewölbs war
und dem Wasser, das oberhalb des Gewölbs war.
Es ward so.
Dem Gewölb rief Gott: Himmel!
Abend ward und Morgen ward: zweiter Tag.

Gott sprach:
Das Wasser unterm Himmel staue sich an einem Ort,
und das Trockne lasse sich sehn!
Es ward so.
Dem Trocknen rief Gott: Erde!
und der Stauung der Wasser rief er: Meere!
Gott sah, daß es gut ist.
Gott sprach:
Sprießen lasse die Erde Gesproß,
Kraut, das Samen samt,
Fruchtbaum, der nach seiner Art Frucht macht
darin sein Same ist,
auf der Erde!
Es ward so.
Die Erde trieb Gesproß,
Kraut, das nach seiner Art Samen samt,
Baum, der nach seiner Art Frucht macht
darin sein Same ist.
Gott sah, daß es gut ist.
Abend ward und Morgen ward: dritter Tag.

Gott sprach:
Leuchten seien am Gewölb des Himmels,
zwischen dem Tag und der Nacht zu scheiden,
daß sie werden zu Zeichen, für Gezeiten, für Tage und Jahre,
und seien Leuchten am Himmel, um über die Erde zu leuchten!
Es ward so.
Gott machte die zwei großen Leuchten,
die größre Leuchte zur Waltung des Tags
und die kleinere Leuchte zur Waltung der Nacht,
und die Sterne.
Gott gab sie ans Gewölb des Himmels,
über die Erde zu leuchten, des Tags und der Nacht zu walten,
zu scheiden zwischen dem Licht und der Finsternis.
Gott sah, daß es gut ist.
Abend ward und Morgen ward: vierter Tag.

Gott sprach:
Das Wasser wimmle, ein Wimmeln lebender Wesen,
und Vogelflug fliege über der Erde
vorüber dem Antlitz des Himmelgewölbs!
Gott schuf die großen Ungetüme
und alle lebenden regen Wesen, von denen das Wasser wimmelt,
nach ihren Arten,
und allen befittichten Vogel nach seiner Art.
Gott sah, daß es gut ist.
Gott segnete sie, sprechend:
Fruchtet und mehret euch und füllt das Wasser in den Meeren,
und der Vogel mehre sich auf Erden!
Abend ward und Morgen ward: fünfter Tag.

Gott sprach: Die Erde treibe lebendes Wesen nach seiner Art, Herdentier, Kriechgerege und das
Wildlebende des Erdlandesnach seiner Art!
Es ward so.
Gott machte das Wildlebende des Erdlands nach seiner Art
und das Herdentier nach seiner Art
und alles Gerege des Ackers nach seiner Art.
Gott sah, daß es gut ist.
Gott sprach:
Machen wir den Menschen nach unserem Bild, uns gleich!
Sie sollen schalten über das Fischvolk des Meeres,
den Vogel des Himmels, das Getier, die ganze Erde und alles, was auf Erden sich regt.
Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbild, männlich, weiblich schuf er sie.
Gott segnete sie,
Gott sprach zu ihnen: Fruchtet euch und mehret euch und füllet die Erde und bemächtigt euch
ihrer! Es ward so.
Gott sah alles, was er gemacht hatte, und da, es war sehr gut.
Abend ward und Morgen ward: der sechste Tag.

Vollendet waren der Himmel und die Erde und all ihre Schar.
Vollendet hatte Gott am siebenten Tag seine Arbeit, die er machte,
und feierte am siebenten Tag von all seiner Arbeit, die er machte.
Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn,
denn an ihm feierte er von all seiner Arbeit, die machend Gott schuf.

Aufgang des Lichts

Am Anfang war die schaffende Kraft,
gestaltender Wille,
klarer, lichtvoller Geist.
Und es entstand eine Welt voll schaffender Kräfte.
Das Göttliche nahm Gestalt an, und die Welt war sehr gut.


Der die Erde überflutet mit Gold,
schöne Mauer aus Türkis,
der das Land erhellt bei seinem Hervortreten.
Der auf der Erde geht,
während sein Kopf im Himmel ist,
mit den Sternen vermischt.
[...]
Seine Sonne ist im Himmel,
seine Schritte sind auf der Erde
und [dringen bis an die] Grenzen.
Ferner, der nah ist zu hören,
der das Herz erfreut, wenn man ihn ruft.
Der seine Hand reicht dem, der in Not ist,
der kommt, wenn man zu ihm fleht.
Gütig ist er,
Liebe, Gerechtigkeit, Freiheit ...

Die Sonne geht auf.
Ein neuer Tag.
Du fühlst noch die Schwere der Nacht.
Spürst Müdigkeit.
Hast Sehnsucht nach Zeit.
Wünscht Dir, das tun zu können, worauf du gerade Lust hast.
Warte! Halt dir die Erwartungen, die gleich auf Dich einprasseln werden,
noch einen Moment vom Leib.

Sieh dieses Licht!
Dein Licht!
Du siehst, wie es den Raum durchflutet.
Du musst lächeln, als du die dicke Staubschicht auf Deiner Nachtischlampe entdeckst. Und das Netz, das eine Spinne dahinter gesponnen hat.

Dein Blick schweift weiter.
Manches noch, was die hellen Strahlen dieses Morgens zutage treten lassen.
Du spürst die Kraft,
ihre Lebensenergie
und ihre ungeheure Kraft aufzudecken, was besser verborgen geblieben wäre.
Dieses Licht würde die Ungerechtigkeit nie zulassen.
Es erträgt keine Lügen.
Keine Falschheit, kein Versteckspiel vor sich selbst.
Es verlangt Klarheit.
Es hat die Nacht nicht einfach abgelöst. Es hat sie durchbrochen.
Es ordnet das Chaos.
Es bringt Licht in die Geschichte und in diese verstrickte Welt.
Sieh dieses Licht!
Dein Licht!
Es durchflutet einen weiten Raum.
Deinen Raum.
Du bist frei, unendlich wertvoll und einmalig.
Du hast Würde.
Der Morgen gehört Dir.

Entzündet die Lichter in dieser Kirche!
Laßt alles erstrahlen.
Geht überall hin.
Leuchtet!
Lasst Euch erleuchten!




















Die Bildrechte aller Photos dieser Seite gehören Michael Andrä.